Jón Gnarr tritt ab — Reykjavik bekommt einen neuen Bürgermeister

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Der See Tjörnin mit dem Reyk­javiker Rathaus im Hin­ter­grund (großes Gebäude links-mit­tig)

Am let­zten Sam­stag wurde in Islands 74 Gemein­den gewählt. In Reyk­javik tritt dabei der inzwis­chen welt­bekan­nte Bürg­er­meis­ter Jón Gnarr ab, er will keine zweite Amt­szeit. “Ich denke meine Zeit ist gekom­men,” sagte Gnarr in ein­er Radiosendung im let­zten Herb­st “Wenn ich es noch ein­mal machen würde, müsste ich Poli­tik­er wer­den und ich bin kein­er. Ich bin ein­fach kein Poli­tik­er. Ich bin Komik­er.”

2010 zog Jón Gnarr mit sein­er Besten Partei (Besti flokkurinn) ins Reyk­javiker Rathaus ein und erhielt gle­ich sechs Sitze. Er hat­te unter anderem einen Eis­bären für den Zoo in Reyk­javik und freie Handtüch­er im Schwimm­bad ver­sprochen. Dieses Jahr trat die Beste Partei nicht wieder an, ihr Nach­fol­ger, die Helle Zukun­ft (Björt framtíð) holte nur zwei Sitze. Die Sozialdemokrat­en hat­ten die größte Zus­tim­mung und gewan­nen fünf Sitze, sie wollen nun eine Koali­tion mit der Hellen Zukun­ft, den Pirat­en (Píratar, 1 Sitz) und den Links-Grü­nen (Vin­stri græn, 1 Sitz) bilden. Größte Oppo­si­tion­spartei ist die Unab­hängigkeitspartei (Sjálf­stæð­is­flokkur) mit vier Sitzen. Neuer Bürg­er­meis­ter kön­nte dann Dagur B. Eggerts­son von den Sozialdemokrat­en wer­den.

Ergebnisse Reykjavik

Wahlergeb­nisse der Kom­mu­nal­wahl 2014 aus Reyk­javik
Quelle: mb.is: http://www.mbl.is/frettir/kosningar/svf_results/

Besorgt äußerte sich Jón Gnarr über zunehmende Frem­den­feindlichkeit und Nation­al­is­mus in Island:

Damit waren vor allem die Ver­suche der Fortschrittspartei gemeint, die eine Woche vor der Wahl damit warb, den Bau ein­er Moschee in Reyk­javik zu ver­hin­dern. In der isländis­chen Zeitung Dag­blaðið Vísir (DV) bescheini­gen ein Poli­tik­wis­senschaftler und ein His­torik­er der Partei recht­spop­ulis­tis­che Ten­den­zen, zweit­er­er sieht keinen Unter­schied zwis­chen kon­ti­nen­taleu­ropäis­chen recht­spop­ulis­tis­chen Parteien und der Fortschrittspartei mehr. Ein Unter­stützer der Fortschrittspartei-Kan­di­datin Svein­björg Bir­na Svein­björs­dót­tir ist Skúli Skúla­son, der laut Reyk­javik Grapevine die Videos von Anders Breivik als “Arbeit eines Genies” beze­ich­net und auf Face­book die Gruppe “Wir protestieren gegen den Bau ein­er Moschee in Island” (Mót­mælum mosku á Íslan­di) gegrün­det hat. Die Seite hat mehr als 4500 Fol­low­er. Aber es gibt auch eine Gegenini­tia­tive auf Face­book, die Seite “Wir protestieren NICHT gegen eine Moschee in Island” (Við mót­mælum EKKI mosku á Íslan­di) hat inzwis­chen fast 5500 Unter­stützer.

Die Wahlbeteili­gung fiel in Reyk­javik mit weniger als 63% auf ein Reko­rd-Tief, auch in anderen großen Gemein­den, wie Selt­jarnar­nes­bær oder Haf­nar­fjörður war die Wahlbeteili­gung niedriger als auf dem Land, wo sie zwis­chen 70 und 80%, in manchen Orten auch über 90% erre­ichte. Außer­halb von Reyk­javik hat in den größeren Gemein­den die lib­er­al-kon­ser­v­a­tive Unab­hängigkeitspartei die meis­ten Stim­men geholt.

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