Parlamentswahl der Färöer-Inseln

©Ragne Gjengedal/Flickr

©Ragne Gjengedal/Flickr

Nach der Par­la­mentswahl Däne­marks im Juni, haben am 1.  Sep­tem­ber auch die Färöer-Inseln über ihr Par­la­ment entsch­ieden.
Der Wahlkampf, der bere­its einen Monat zuvor begann, gestal­tete sich so span­nend, dass auch wenige Tage vor der Wahl noch kein eventueller Aus­gang vorherse­hbar war.

© Thomas Borberg

© Thomas Bor­berg

Zen­trales The­ma des Wahlkampfes war unweiger­lich die Fis­cherei, die zur Zeit Dreh- und Angelpunkt für die färöis­che Wirtschaft ist und für  Auf­schwung sorgt. Das Par­la­ment hat­te in der let­zten Wahlpe­ri­ode darüber entsch­ieden noch vor 2018 eine neue Fis­chereire­form einzuführen. Daraus resul­tierend soll­ten bis dahin alle beste­hen­den Lizen­zen gekündigt wer­den. Dies gestal­tet sich auf Grund der vorherrschen­den Prob­leme auf den Inseln allerd­ings schwierig. Aus dem Fis­chhan­del prof­i­tieren aktuell drei große färöis­che Pro­duzen­ten, welche sich ihre Lizen­zen über die Nutzung der Fjorde vor Jahren bil­lig gekauft hat­ten. Hin­ter den — mit­tler­weile — unzäh­li­gen inter­na­tionalen Inve­storen und Abnehmern, die diese Pro­duzen­ten fördern, ver­birgt sich ins­beson­dere die rus­sis­che Regierung. Diese hat­te sich auf Grund des EU-Boykotts in der Ukraine-Krise gegen den Export nor­wegis­ch­er und schot­tis­ch­er Fis­che entsch­ieden und kauft nun auss­chließlich färöis­chen Fisch ein. Aus diesem Grund müssen einige Fis­chereifam­i­lien und Red­ereien zuse­hen, wie ihnen das Geld durch die Fin­ger rin­nt. Sie haben meist keine Chance gegen die großen Expor­teure zu beste­hen.  Auch die Gesellschaft hat darunter zu lei­den, denn das finanzielle Loch von sechs Mil­liar­den Kro­nen, welch­es seit der Wirtschafts- und Finanzkrise in den 1990er Jahren beste­ht, muss irgend­wie gestopft wer­den.  Die Erhöhun­gen von Lizen­zge­bühren und staatlichen Steuern sind nur einige wenige Optio­nen, die im Wahlkampf aufge­grif­f­en wer­den.

© Erik Christensen

© Erik Chris­tensen

Ein weit­eres stark disku­tiertes Prob­lem ergibt sich aus dem demografis­chen Wan­del. Obwohl die Färöer prozen­tu­al eine jün­gere Bevölkerung als Däne­mark haben, ist der Zusam­men­bruch der Gesellschaft, durch stetige Abwan­derung junger Erwach­sen­er, abse­hbar. Diese suchen und find­en ihre Zukun­ftsper­spek­tiv­en meist im Aus­land, da dort mehr Aus­bil­dungs- und Stu­di­en­möglichkeit­en zur Ver­fü­gung ste­hen. Eine Rück­kehr in das land­wirtschaftlich geprägte Heimat­land kommt für viele Färöer nicht in Frage. Langfristig sollen deshalb Alter­na­tiv­en für Jugendliche und junge Erwach­sene geschaf­fen wer­den.

In den let­zten Jahren wurde auch die Gle­ich­stel­lung homo­sex­ueller Paare immer wieder stark disku­tiert. Deshalb grif­f­en einige Parteien die The­matik in ihrem Wahlkampf, mit dem Ziel der Eheschließung von Homo­sex­uellen, auf.

Die Schlüs­sel­rolle in der Wahl spielte let­z­tendlich aber eine ganz andere Prob­lematik: die Flüchtlings­de­bat­te.
Kurz vor dem Wahlt­ag sprach sich die führende Sam­bands­flokkurin (lib­erale Union­is­ten-Partei) für die kün­ftige Auf­nahme von 60 Flüchtlings­fam­i­lien aus. Dies sorgte für Unruhen und Unver­ständ­nis in der färöis­chen Gesellschaft und Poli­tik und endete let­z­tendlich mit einem Ein­bruch in den Mei­n­ung­sum­fra­gen.

ergebnis wahlDavon prof­i­tieren kon­nte die Jav­naðarflokkurin (Sozialdemokratis­che Partei). Diese gewann die Wahl mit mehr als 25 Prozent der Stim­men. Ihr möglich­er Koali­tion­spart­ner Tjóðvel­di (Repub­likanis­che Partei), kon­nte eben­falls unter den Gewin­nern des Abends ver­bucht wer­den, sodass bei­de Parteien bere­its 15 der 33 Sitze im Par­la­ment ein­nehmen kön­nten. Zur Bil­dung der Regierung fehlt ihnen allerd­ings noch ein drit­ter Koali­tion­spart­ner, um die Mehrheit im Par­la­ment zu erre­ichen. Die Ver­lier­er Sam­bands­flokkurin und Fólka­flokkurin (lib­er­alkon­ser­v­a­tive Volkspartei) büßten jew­eils zwei Man­date ein und erlangten somit nur noch sechs Sitze.

Ges­pan­nt sein darf man in den kom­menden Monat­en und Jahren sowohl auf die poli­tis­chen Maß­nah­men und Lösun­gen zur Fis­cherei und Flüchtling­shil­fe. Darüber hin­aus ste­ht eine mögliche Loslö­sung der Färöer-Inseln von Däne­mark bevor. Tjóðvel­di hat­te bere­its vor der Wahl angekündigt, bei Erhalt aus­re­ichen­der Stim­men, eine Volksab­stim­mung durchzuführen, die spätestens  2016 über ein Färöis­ches Grundge­setz entschei­den soll.

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