Auf den Spuren der Wikinger — in Dublin

Brian Boru - Darstellung in der Ausstellung im Trinity College in Dublin Bild: Cartoon Saloon animation studio. Illustrators : Tomm Moore (director of The Secret of Kells), Ross Stewart and Alice Dieudonne

Bri­an Boru — Darstel­lung in der Ausstel­lung im Trin­i­ty Col­lege in Dublin Bild: Car­toon Saloon ani­ma­tion stu­dio. Illus­tra­tors : Tomm Moore (direc­tor of The Secret of Kells), Ross Stew­art and Alice Dieudonne

Dublin ist für gewöhn­lich nicht der erste Ort, der einem im Zusam­men­hang mit den Wikingern ein­fall­en würde. Aber auch hier hin­ter­ließen die Nord­män­ner einen bis heute bleiben­den Ein­druck in der Stadt­geschichte.

Es war der 23. April 1014 — vor 1000 Jahren also — als sich in Clon­tarf der bis dahin mächtig­ste irische König Bri­an Boru und die Wikinger des Kön­i­gre­ich­es Dublin sowie deren irische Alli­ierten gegenüber­standen. Die Schlacht war eigentlich schon vorüber. Bri­an Boru hat­te die Wikinger ver­nich­t­end geschla­gen und das, obwohl er den ganzen Tag betend im Wald gesessen hat­te, denn die Schlacht fand an einem Kar­fre­itag statt. Er saß immer noch dort im Wald, nur umgeben von einem Schild­wall sein­er eng­sten Gefol­gsleute, als die fliehen­den Wikinger dort vor­beika­men.  Auch Brodir, der Anführer eines Wikingerkontin­gents von der Isle of Man, kam an dem Wald mit dem betenden König vor­bei. Er unter­brach seine Flucht, durch­brach den Schild­wall und erschlug den König. So wurde der bekan­nteste irische König, Bri­an Boru, vor 1000 Jahren durch die Hand eines Wikingers getötet. Brodir wurde gefan­gen genom­men und grausam bestraft. Irland, das bis dahin zu weit­en Teilen unter Bri­an Boru beherrscht wurde, zer­fiel wieder in rival­isierende Teilkön­i­gre­iche.

Gründung eines Königreichs

Bere­its 841 grün­de­ten die Wikinger an einem Platz, den die Iren Dubh-Linn nan­nten, was “Schwarz­er Tüm­pel” bedeutet, eine Sied­lung. Aus ihr ging das heutige Dublin her­vor. Auch wenn die irischen Annalen von vie­len Über­fällen auf Klöster und Sied­lun­gen bericht­en, die beson­ders in den ersten fün­fzig Jahren nach dem ersten Angriff zunah­men, wird heute davon aus­ge­gan­gen, dass die Wikinger nicht primär auf Plün­derun­gen aus waren. Vielmehr sucht­en sie neues Land zum Besiedeln und Kloster­plün­derun­gen waren “eher ein lukra­tives Nebengeschäft”, wie der Autor Mag­nus Mag­nus­son in seinem Buch “Wikinger” schreibt. Dublin macht­en sie zu einem wichti­gen Wikinger­han­del­splatz und verän­derten so auch die auf Vieh- und Wei­dewirtschaft basierende irische Land­wirtschaft.

Wikinger über­fall­en ein Kloster in Irland, Darstel­lung an der Wand des Hos­tels “Kin­lay House” in Dublin

Um 850 lan­den dänis­che Wikinger in Irland, sie eroberten ein Jahr später die nor­wegis­che Fes­tung in Dublin. Die Nor­weger Olaf und Ivar (oft als Olaf der Weiße und Ivar der Knochen­lose beschrieben) eroberten diese jedoch schon 853 zurück. Olaf regierte für einige Zeit in Irland und kehrte dann nach Nor­we­gen zurück, während Ivar als Stadthal­ter in Irland blieb. Olaf kehrte noch ein­mal nach Irland zurück, fiel dann aber in Nor­we­gen in ein­er Schlacht. Ivar wurde daraufhin “König aller Skan­di­navier in Irland und Nord­west-Eng­land”, wie Rudolf Simek in “Die Wikinger” schreibt. Das Gebi­et umfasste alle Teile, die damals dem Kön­i­gre­ich Dublin zugerech­net wur­den, ver­mut­lich war auch die Isle of Man darunter. Der näch­ste Erober­er von Dublin war der irische König von Lein­ster, der von den ständi­gen Stre­it­igkeit­en zwis­chen Dänen und Nor­wegern in dem Gebi­et prof­i­tierte. Olaf Sigtryg­g­son kon­nte schließlich von 850–880 eine sta­bile Herrschaft etablieren, danach ver­lor das Kön­i­gre­ich Dublin seine Unab­hängigkeit  in der Schlacht von Tara an den König von Meath.

Gara­gen­tür in Dublin

In der oben beschriebe­nen Schlacht von Clon­tarf hat­ten sich die Wikinger schon mit den Iren ver­bün­det. Auf bei­den Seit­en des Schlacht­feldes standen Wikinger an der Seite ihrer irischen Alli­ierten,  in größer­er Anzahl jedoch auf Seit­en des Wikingerkönigs Sygtrygg Sei­den­bart (dem Sohn von Olaf Sygtryg­g­son) und seinem Ver­bün­de­ten, dem König von Lein­ster, die gegen den Hochkönig Bri­an Boru ange­treten waren.

Timeline — Die Wikinger in Irland

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Spurensuch in der Stadt

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Christ Church Cathe­dral in Dublin

In Dublin selb­st wur­den in den 1960er und 1970er Jahren größere Funde aus der Zeit der Wikinger ent­deckt. Beson­ders im Gebi­et um die Christ Church Cathe­dral,  mit­ten im ehe­ma­li­gen mit­te­lal­ter­lichen Stadt­ge­bi­et, Wood Quay genan­nt, stieß man auf viele archäol­o­gisch wertvolle Über­reste. Diese gaben Ein­blicke in den Han­del, das Handw­erk und das Leben der ehe­ma­li­gen Bewohn­er. Ab 1974 kon­nten in Wood Quay archäol­o­gis­che Grabun­gen unter­nom­men wer­den, doch auf dem Are­al der ger­ade erst zum nationalen Geschichts­denkmal erk­lärten Wikinger­stadt soll­ten städtis­che Gebäude errichtet wer­den. Die Bürg­er ver­sucht­en, die Bebau­ung mit ein­er Unter­schrifte­nak­tion zu stop­pen und 1978 demon­stri­erten ca. 20 000 Iren für den Erhalt von Wood Quay. Doch der Ober­ste Gericht­shof entsch­ied 1979, dass der Bau der Gebäude fort­ge­set­zt wer­den dürfe. Archäolo­gen erhiel­ten aber vorher Zugang zu dem Gelände für Aus­grabun­gen und zur Doku­men­ta­tion.

Ausstel­lung im Nation­al His­to­ry Muse­um in Dublin

Auch wenn im heuti­gen Stadt­bild selb­st nicht mehr viel auf die Wikinger hin­weist, kann man ihnen in der Stadt auf die Spur kom­men. So wurde beispiel­sweise die Christ Church Cathe­dral 1038 von Wikingern als hölz­erne Kirche errichtet, allerd­ings 1240 durch eine Steinkirche erset­zt. Heute stammt nur noch die Wahl des Stan­dortes aus der Zeit der Wikinger. Es gibt aber mit Dublinia ein Muse­um, das sich auss­chließlich mit der Wikingerzeit und dem Mit­te­lal­ter in Dublin beschäftigt und auch im Nation­al Muse­um of Ire­land gibt es eine Ausstel­lung zu den Wikingern.  In diesem Jahr wur­den anlässlich des tausend­jähri­gen Jubiläums zudem Ausstel­lun­gen zur Schlacht in Clon­tarf eröffnet: Im Trin­i­ty Col­lege die Ausstel­lung “Empor­er of the Irish Bri­an Boru and the Bat­tle of Clon­tarf” und im Nation­al Muse­um of Ire­land “Clon­tarf 1014: Bri­an Boru and the Bat­tle for Dublin”.

Für alle, die in näch­ster Zeit nicht nach Dublin kom­men, hat im Berlin­er Mar­tin Gropius Bau vor kurzem eine Wikinger­ausstel­lung eröffnet.

 

1 Kommentare

  1. Sehr infor­ma­tiv und gut geschrieben der Wikinger Artikel! Die Time­line ist ein­ma­lig, haben wir so noch nicht gese­hen. Klasse Seite!

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