Theater unter freiem Himmel

von Matthias Kauf­mann

Bere­its zum 20. Mal ver­wan­del­ten sich im Juni dieses Jahres die Straßen von Archangel­sk in eine offene Bühne für Schaus­piel und Musik. Aus ins­ge­samt acht Län­dern sind Kün­stler und Ensem­bles in den rus­sis­chen Nor­den gereist, um eine Woche lang unter freiem Him­mel das Pub­likum in ihren Bann zu ziehen. Ein klein­er Ein­druck, vor allem in Bildern.

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Jedes Jahr im Juni ver­wan­delt sich Archangel­sk in eine The­aterkulisse

Die – in wörtlich­er Über­set­zung – “Erzen­gel­stadt” im hohen Nor­den Rus­s­lands liegt nur knappe 200 Kilo­me­ter südlich vom Polarkreis ent­fer­nt. Die Som­mer hier sind entsprechend kurz und mit durch­schnit­tlich 17 Grad Tagestem­per­atur auch rel­a­tiv kühl. Dafür allerd­ings gibt es etwa drei Monate lang – von Mai bis Juli – die “Weißen Nächte” zu erleben, das heißt es ist 24 Stun­den lang taghell. Genau in diese Zeit fällt auch das Straßenthe­ater­fes­ti­val, das in der rel­a­tiv kleinen Region­shaupt­stadt ein wirk­lich­es High­light darstellt. Denn Archangel­sk ist alles andere als ein Touris­ten­mag­net und auch im Rest des Jahres passiert hier ver­gle­ich­sweise wenig.

Das “Inter­na­tionale Fes­ti­val des Straßenthe­aters”, so der offizielle Titel, wird organ­isiert vom Jugendthe­ater Archangel­sk unter der Leitung von Wik­tor Panow, der zugle­ich Präsi­dent des Fes­ti­vals ist. 1990 fand es zum ersten Mal statt und kon­nte sich in den darauf­fol­gen­den Jahren zu ein­er alljährlich wiederkehren­den Kul­turver­anstal­tung entwick­eln. Mehr als 200 Kollek­tive aus der ganzen Welt haben seit­dem die Stadt besucht.

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Die Ufer­prom­e­nade als Kulisse

Zur Jubiläumsver­anstal­tung, die vom 22. bis 29. Juni 2014 stat­tfand, waren erneut einige jen­er Kün­stler ein­ge­laden, die bere­its in den Jahren zuvor am Fes­ti­val teilgenom­men haben und die sich beson­der­er Beliebtheit bei Ver­anstal­tern und Besuch­ern erfreuen kon­nten. Zunächst ver­langte das rauhe nordis­che Kli­ma seinen Trib­ut: Die geplante Eröff­nungs­feier sowie die ersten Auftritte auf der Straße  liefen Gefahr, auf Grund von Regen wortwörtlich ins Wass­er zu fall­en. So sind die Auf­tak­tver­anstal­tun­gen kurzher­hand in das Gebäude des Lomonosov-The­aters ver­legt wor­den. Am drit­ten Tag hieß es dann aber endlich: hin­aus auf die Straße.

An ver­schiede­nen Orten im Stadtzen­trum kon­nte den, in der Mehrzahl kosten­freien, Dar­bi­etun­gen gefol­gt wer­den, die es aus einem sehr dicht­en Pro­gramm auszuwählen galt. Vertreten waren, neben dem Jugendthe­ater Archangel­sk und anderen Grup­pen aus Rus­s­land selb­st, Kün­stler aus Frankre­ich, Spanien, Por­tu­gal, Ital­ien, Polen, Israel und der Ukraine. Außer klas­sis­chem Schaus­piel gab es ver­schiedene Per­for­mances und musikalis­che Märsche zu erleben, die nicht sel­ten die Zuschauern unmit­tel­bar in das Geschehen inte­gri­ert haben.

Der Großteil der Ver­anstal­tun­gen fand ent­lang des zen­tralen Teils der Ufer­prom­e­nade statt, die sich mit ihren ins­ge­samt sieben Kilo­me­tern Länge im Hal­bkreis um die Innen­stadt zieht. Archangel­sk ist als älteste Hafen­stadt Rus­s­lands stark geprägt vom Wass­er, dass es umgibt – vor allem vom bre­it­en Strom der nördlichen Dwina. Die Prom­e­nade ist deshalb ein­er der beliebtesten Plätze der Stadt. Das Fes­ti­val hat diesen Ort noch zusät­zlich belebt und sich, ihn zur Kulisse machend, auf seine ganz eigene Weise darin einge­bun­den.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Baschkirienheute.de.

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