Citizen of Glass

Foto: Agnes Obel by Frank Eidel

Das faszinierende an der skan­di­navis­chen Musik­szene ist, dass sich inmit­ten des üblichen Rock/Pop/SingerSongwriter Gen­remix Musik­er find­en, die es schaf­fen, eine unver­gle­ich­liche Melan­cholie und Schön­heit in ihrer Musik einz­u­fan­gen. Sie bestechen durch einen ganz eige­nen Wieder­erken­nungswert und gehen dadurch jeglich­er Beliebigkeit kon­se­quent aus dem Weg. Agnes Obel ist eine von diesen Zauber­we­sen, die allein mit ihrer Stimme und nur weni­gen, mit bedacht aus­gewählten Instru­menten, etwas in einem berührt und eine Antwort auf die tief­sten ver­grabenen Sehn­süchte zu geben scheint.

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Foto: Agnes Obel /Albumcover Cit­i­zen of Glass

Die dänis­che Sän­gerin und Pianistin wurde 2009 qua­si über Nacht durch ihren Song „Just So“, den sie zu einem deutschen Werbespot beis­teuerte, berühmt. 2006 zog Agnes Obel in ihre Wahlheimat Berlin. Hier hat sie nun drei Jahre nach ihrem let­zten Album „Aven­tine“ auch ihr drittes Album „Cit­i­zen of Glass“ pro­duziert, das sie dem Berlin­er Pub­likum auch bald live präsen­tieren wird. Es ist daher auch wenig ver­wun­der­lich, dass Agnes Obel sich beim Albumti­tel vom deutschen Begriff „gläsern­er Bürg­er“ inspiri­eren ließ und damit auf die Trans­parenz und daraus resul­tierende Ver­wund­barkeit des einzel­nen Indi­vidu­ums in der heuti­gen Gesellschaft anspielt. Die Zer­brech­lichkeit, die der Titel andeutet, find­et sich auch in der fil­igra­nen Kom­po­si­tion der ins­ge­samt zehn Songs wieder. Für die Auf­nah­men suchte Agnes Obel eigens nach passenden, aber auch ungewöhn­lichen, Instru­menten und spielte sie auch alle selb­st ein, um die gewün­schte Stim­mung zu erschaf­fen. Neben Vio­li­nen, Cellos, Har­fen und natür­lich dem Klavier, kam auch das sel­tene Tautrinum, eins der ersten elek­tro­n­is­chen Musikin­stru­mente, zum Ein­satz. 

Cit­i­zen of Glass” definiert sich nicht durch wenige Höhep­unk­te, um die sich die restlichen Lieder nur als Sta­tis­ten ver­sam­meln, son­dern überzeugt in sein­er Gesamtkom­po­si­tion und ist in sein­er unauf­dringlichen Art umso beein­druck­ender. Der Open­er “Stretch Your Eyes” ist die jüng­ste Sin­gleauskop­plung und zeigt, dass Agnes Obel ihrem Stil treu geblieben ist, aber den­noch mehr wagt und sich aus­pro­biert. „Famil­iar“ ist eines der stärk­sten Stücke des Albums und wurde auch als erste Sin­gle veröf­fentlicht. Agnes Obel set­zt hier­bei auf Zweis­tim­migkeit mit ihrer eige­nen tiefer fre­quen­tierten Stimme und erzeugt dadurch eine ähn­lich ver­wirrende Sogkraft wie bere­its bei ihren Sin­gles „River­side“ und „The Curse“ ihres Vorgänger­al­bums.

Doch auch bei den übri­gen Songs,  wie dem instru­men­taleren Stück  “Red Vir­gin Soil“  oder dem pulsieren­den „It’s Hap­pen­ing Again“, beweist sie erneut ihr Gespür für feinsin­nige Melo­di­en. Das Album schließt mit „Mary“ und erfüllt den Raum nur mit Agnes Obels Gesang und ihrem Klavier­spiel und man fragt sich wozu es eigentlich mehr Bedarf, wenn so wenig so viel auszu­drück­en ver­mag.

Info
Agnes Obel
Album: Cit­i­zen of Glass
Laufzeit: 10 Titel
Veröf­fentlichung: 21.10.2016
Label: Play It Again Sam
agnesobel.com
facebook.com/agnesobel

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