Lars Lenth: Schräge Vögel singen nicht

Lars Lenth Schräge Vögel singen nicht. Foto: Besser Nord als nie!Foto: Besser Nord als nie!

von Mar­ti­na Sander

Leo hat­te nie die großen Aufträge gehabt, er ver­trat para­noide Asyl­be­wer­ber oder Spießer, die Prob­leme mit der Hecke des Nach­barn hat­ten. Er weigerte sich, Anzug und Schlips zu tra­gen und sich einen Kun­den­stamm anzule­gen oder ein „Kun­den­porte­feuille“, wie es in Anwalt­skreisen hieß. Leo wollte seine Zeit nicht darauf ver­schwen­den, reichen Halb- und­Vollschurken dabei zu helfen, noch reich­er zu wer­den.“ (Schräge Vögel sin­gen nicht, Seite 37)

Leonard Van­gen lebt in ein­er herun­tergekomme­nen Vil­la auf Bærum, ein­er Reichen-Insel am Oslofjord, und tut eigentlich nichts. Zusam­men mit seinem Mieter, einem Bild­hauer, der seit Jahren an ein­er Skulp­tur arbeit­et, deren Kopf noch nicht fer­tiggestellt ist, weil er ihn je nach Auf­tragge­ber „anpassen“ möchte, lebt er antriebs- und anspruch­s­los so vor sich hin. Als Leo allerd­ings im Region­al­blättchen liest, dass eine Leiche direkt vor sein­er Insel gefun­den wurde und aus­gerech­net seine Jugend­liebe Mariken ermit­telt, rafft er sich auf und mis­cht sich ein.

Wo Lars Lenths Sym­pa­thien liegen, ist klar: nicht bei den reichen Immo­bilien­speku­lanten, die kor­rupt, narzis­tisch, skru­pel­los sind, über Leichen gehen und auf Umwelt, Frauen und Kinder pfeifen – um nicht ein Wort zu schreiben, dass sich irgend­wie auf pfeifen reimt und was ein ange­heuert­er Kleinganove als War­nung in den Briefkas­ten eines bet­ro­ge­nen Anteil­seign­ers macht. Wieder greift der Autor auf seine eigene derbe, höchst amüsante Art Umwelt-The­men auf: Dieses Mal sind es die Bauher­ren von Großpro­jek­ten, im let­zten Band “Der Lärm der Fis­che beim Fliegen” (der chro­nol­o­gisch eigentlich vor diesem liegt) waren es die großen Lach­szucht­far­men. Sein Plot ist bizarr, blutig, manch­mal bru­tal, aber immer unter­halt­sam und les­bar insze­niert. Der Roman ist allerd­ings kein Thriller, son­dern vor allem Gesellschaftssatire mit Mords­geschichte. Seine Fig­uren sind liebevoll „über“ zeich­net; immer sind die ohne Streben nach Geld und Macht die moralis­chen Größen. Leo Van­gen erin­nert ein wenig an den Autor: Bei­de lieben das Golf­spie­len und die Rock-Musik – die es sich lohnt, beim Lesen im Hin­ter­grund als akustis­che Anmerkung laufen zu lassen. Allerd­ings ist Lars Lenth umtriebiger als sein lit­er­arisches Alter Ego, denn neben sein­er Kar­riere als Schrift­steller ist er in Nor­we­gen berühmt für seine DVDs zum Fliegen­fis­chen, aus dem Fernse­hen zum sel­ben The­ma und als Mit­glied ein­er Rock­band.

Info:
Lars Lenth “Schräge Vögel sin­gen nicht“
Aus dem Nor­wegis­chen von Frank Zuber
Limes Ver­lag, 288 Seit­en

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