Kinderbuchtipp aus Schweden: Familie von Stibitz – Der Riesenlolli-Raub

Familie von StibitzFoto: Thomas Franz

von Mar­ti­na Sander

„Achtung!

Mach es nicht wie die Fam­i­lie von Stib­itz! Man darf nicht stib­itzen, niemals. Die Leute wer­den son­st trau­rig (und außer­dem kann man dafür ins Gefäng­nis kom­men).

Die Fam­i­lie Stib­itz hat die Ein­leitung im Buch zum Glück nicht gele­sen und stib­itzt munter herum: Papa Ede benutzt den Kuh­fuß, wo er kann, und Mama Pia ist so gelenkig, dass sie sich durch jeden Türschlitz schiebt. Auch die kleine Ella (eigentlich Krim­inel­la) ist ein tüchtiges Mäd­chen; sie stellt listige Fra­gen und hin­ter­her fehlt was im Spiel­warengeschäft. Nur Ture ist das schwarze Schaf der Fam­i­lie – „was soll nur aus ihm wer­den“. Er zahlt immer und wartet erst auf ein Here­in. Als Ture eines Tages die Fam­i­lie vor­sichtig fragt, ob denn alle an seinen Geburt­stag gedacht haben, und auf ein „Natür­lich“ alle hin­ter dem Rück­en die Fin­ger kreuzen, ist klar: Der Riesen­lol­li für Ture muss her. Wird der Nach­bar, Polizist und Spi­on Paul Eisig das ver­hin­dern kön­nen?

Das Buch ist natür­lich lange nicht so poli­tisch unko­r­rekt, wie es erst­mal scheint. Es geht um ganz andere Inhalte: Fre­und­schaft ist wichtig, Empathie und das Hin­ter-die-Fas­sade schauen. Der große Coup misslingt zwar, aber alles nimmt ein gutes Ende, das ist Kindern ja wichtig. Hier wird hin­reißend unter­halt­sam drau­f­los erfun­den, aber­witzig und absurd. Natür­lich existiert ein zwinkern­der päd­a­gogis­ch­er Ansatz, ein leicht erhoben­er Zeigefin­ger, Anders Spar­ring und Per Gus­tavs­son lassen die Kinder nicht rat­los zurück, gön­nen ihnen aber vor allem viel Spaß. Den Lesenden wird eine sehr amüsante Geschichte erzählt, die intel­li­gent, gut geschrieben ist und die Ziel­gruppe ernst nimmt, lit­er­arisch­er Humor geht eben auch bei jun­gen Leser:innen. Die witzi­gen Zeich­nun­gen, und davon gibt es viele, holen die Kinder sofort ins Geschehen und erläutern und ergänzen den Text so, dass auch Vier­jährige fol­gen kön­nen. „Fam­i­lie von Stib­itz – Der Riesen­lol­li-Raub“ ist wieder ein wun­der­volles Kinder­buch, natür­lich aus Skan­di­navien.

(Kind 2 allerd­ings, des Lesens noch unfähig, war so ges­pan­nt, dass er nicht warten kon­nte und sich in ein­er ruhi­gen Ecke in die Illus­tra­tio­nen ver­tieft hat. Beim Vor­lesen war er dann nicht mehr dabei, weil er ja „schon wusste, wie’s aus­ge­ht“.)


Info:
Anders Spar­ring, Per Gus­tavs­son: Fam­i­lie von Stib­itz – Der Riesen­lol­li-Raub
Aus dem Schwedis­chen von Friederike Buchinger
Hanser-Ver­lag, 2020
Ab 4–5 Jahren

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