Teil 2: Roadtrip zum Nordkap

Von Trond­heim zum Nord­kap”, so hieß der Streck­en­ab­schnitt, den Roland und ich jet­zt befuhren, auch in unserem (Dumont) Reise­führer (den ich übri­gens sehr gut fand, falls hier jemand noch eine Empfehlung braucht). Noch 1.647 km zum Nord­kap.

(Für die Beschrei­bung zur Prezi siehe Teil 1)

Svartisen-Gletscher und Polarkreis

Die näch­ste Sta­tion nach Trond­heim hieß Svar­tisen-Gletsch­er. Auf dem Weg hiel­ten wir beim Wasser­fall Laks­fors, dann kon­nte man bald nach Svar­tisen abbiegen. Es reg­nete sehr aus­giebig und als dann auch noch Nebel auf­stieg, war vom zweit­größten Gletsch­er Skan­di­naviens lei­der weit und bre­it nichts mehr zu sehen. Unver­richteter Dinge zogen wir wieder von dan­nen.

IMG_8564 Am näch­sten Tag über­querten wir dann den Polarkreis, stapel­ten dort ein paar Steine auf, um die Trolle zu besän­fti­gen (nordis­ch­er Brauch und lohnt sich, unser­er Erfahrung nach, immer!) und eventuell auch den Wet­ter­gott, der uns noch immer mit viel Regen bedachte. Auch ein Denkmal für die jugoslaw­is­chen Kriegs­ge­fan­genen, die in diesem Gebi­et star­ben, besucht­en wir. Sie wur­den von den Deutschen zum Bau an der Nord­land­bahn und der Europas­traße (E6) gezwun­gen.

Vom nicht allzu weit ent­fer­n­ten Nord­land-Nation­al­parkzen­trum wan­derten wir kurz zu ein­er Klamm, die, laut Reise­führer, aus­sah “wie man sich als Kind Rübezahls Reich vorgestellt hat”. Und das kann ich nur bestäti­gen, ein türkiser Fluß zog sich durch eine Urland­schaft, die nur ein Riese wirk­lich bewohnen kön­nte.

Land unter

Danach fuhren wir zum Rago-Nation­al­park, um uns dem zweit­en Teil unseres heuti­gen Pro­grammes zu wid­men: Wir woll­ten zu ein­er sieben Kilo­me­ter ent­fer­n­ten Hütte wan­dern, dort über­nacht­en und am näch­sten Tag wieder zurück. Den Wet­ter­gott hat­ten unsere Steine unbeein­druckt gelassen, doch wir entsch­ieden uns dafür, ihn eben­falls zu ignori­eren. Mit Schlaf­säck­en, Essen­vor­räten und Regen­jack­en aus­ges­tat­tet, starteten wir auf dem markierten Pfad. Nach ein­er Stunde führte uns dieser über einen Fluss — die Querung war schon schwierig — und dann zu einem Wasser­fall. Die Erk­lim­mung war noch schwieriger, außer­dem ging uns der Weg ver­loren (da die Nor­weger es für aus­re­ichend hal­ten, alle paar 50 Meter die Route durch einen schw­er erkannbaren roten Punkt irgend­wo — auf Baum, Stein oder sonst­wo — zu markieren). Irgend­wie kamen wir oben an und fan­den auch bald den Weg wieder, der aber lei­der im Moor hin und her schwappte. Die Holz­planken, die son­st über das Moor führten, schwammen nun im Regen­wass­er. Nach­dem ich bar­fuß ver­suchte, eine dieser Planken zu betreten, und bis über die Knie im Wass­er stand, beschlossen wir diesen “Weg” nicht zu betreten. Wir gaben aber nicht auf und klet­terten ent­lang eines seitlich gele­ge­nen Geröllfeldes in die Rich­tung, die der Weg uns wies, kamen dabei allerd­ings so langsam voran, dass wir damit rech­nen mussten, die Hütte nicht vor der Däm­merung zu erre­ichen. Der Entschluss fiel schw­er aber wir kehrten dann doch um, bei­de schon völ­lig durchgewe­icht und etwas erschöpft, klet­terten wir zurück zum Wasser­fall und diesen hin­unter und das war bei dem Regen nicht ein­fach!

Wir kamen dann aber bei­de wohlbe­hal­ten wieder beim Auto an und beschlossen, uns für diese Nacht eine Hütte zu mieten, um uns und unsere Klei­dung zu trock­nen.

Lofoten

LofotenDie Lofoten waren unser näch­stes Ziel und endlich war das Wet­ter wieder schön (die let­zten bei­den Tage soll­ten glück­licher­weise auch die einzi­gen Regen­t­age dieser Reise bleiben). Wir fuhren mit der Fähre von Bodø nach Moskenes, dann führte uns der Weg nach Å (kürzest möglich­er Ort­name) und wieder zurück, durch das Fis­cherdör­fchen Reine zum Nus­fjord. Die Häuschen an diesem Fjord wur­den alle orig­i­nal­ge­treu rekon­stru­iert, alles war höchst pitoresk, im Som­mer kostet die Besich­ti­gung 5€ Ein­tritt, außer­halb der Sai­son glück­licher­weise nichts.

Der Strand von Utak­leiv wurde 2005 von der englis­chen “Times” als schön­ster Strand Europas beze­ich­net, im Som­mer sollen sich hier Surfer tum­meln. Wir teil­ten uns den Strand mit eini­gen Schafen und zwei Men­schen und genossen den Anblick.

Dann ging’s zum Wikinger­mu­se­um in Borg. Hier hat­te man ein Häuptlingslang­haus aus der Wikingerzeit nachge­baut, in einiger Ent­fer­nung lagen auch zwei Wikinger­schiffe und Werk­stät­ten.IMG_8917 Im Muse­um kon­nte man sich einige Filme anse­hen, im Lang­haus u.a. Wikinger­helme, ein Ket­ten­hemd und Waf­fen anpro­bieren und sich anse­hen wie so eine Trinkhalle damals aus­ge­se­hen hat.

Unsere let­zten Sta­tio­nen auf den Lofoten waren Kabelvåg, Hen­ningsvær und Svolvær. Alle­samt Fis­cherdör­fer mit mehr oder weniger schö­nen Häuschen.

Tromsø

IMG_9083Wieder auf der E6 kamen wir am Målelv­foss vor­bei und anschließend nach Trom­sø. Dort schaut­en wir uns zuerst die Eis­meerkathe­drale an, dann fuhren wir mit der Seil­bahn auf den örtlichen Haus­berg und hat­ten eine schöne Sicht. Weit­ere Sehenswürdigkeit­en stell­ten die Innen­stadt mit Hafen sowie einige Museen dar. Wir entsch­ieden uns, das Polar­mu­se­um zu besichtigten. Es war in einem alten Spe­ich­er am Hafen unterge­bracht und roch nach Holz und Aben­teuern. Von den ersten Über­win­terun­gen zur Eis­bären­jagd auf Spitzber­gen, bis zum Tod von Süd­pol­bezwinger und Nation­al­held Roald Amund­sen in der eisi­gen Ein­samkeit der Ark­tis, war hier die nor­wegis­che Geschichte dieser Polar­re­gion dargestellt.

Alta

Von Trom­sø war es nicht mehr weit zum ersehn­ten Nord­kap. Die Fel­sze­ich­nun­gen von Hjem­meluft, nahe Alta, waren unser näch­stes Ziel. Diese 3000 bis 6200 Jahre alten Zeich­nun­gen zeigten über­wiegend Ren­tiere, Boote mit Elchköpfen, Bären, Elche und damit einen Teil der Lebenswirk­lichkeit, Glaubensvorstel­lun­gen und Rit­uale der Men­schen, die sich hier in der Steinzeit trafen. Alta Felszeichnungen von HjemmeluftSeit 1985 zählen sie zum Weltkul­turerbe der UNESCO. Sie waren sehr beein­druck­end. Auch am näch­sten Tag blieben wir in der Gegend und unter­nah­men eine Wan­derung zum Alta-Canyon. Diese war vor allem durch anfängliche Ren­tier­beobach­tun­gen und anschließend durch unsere Unfähigkeit, den Wan­der­weg wieder zu find­en, geprägt. Nach ein­stündi­ger Suche standen wir wieder an ein­er uns ver­traut­en Stelle am Fluss und  — siehe da — der Weg lag nur auf der anderen Seite. Wir erk­lärten jet­zt nor­wegis­che Wan­der­weg­markierun­gen für äußerst willkür­lich (haupt­säch­lich um unsere eige­nen Unzulänglichkeit­en zu über­spie­len), als ob jemand nicht genug Farbe mitgenom­men hätte, als er los zog, den Weg zu markieren. Der Canyon war sehr schön, wir trafen aber­mals zahlre­iche Ren­tiere und kamen ihnen sog­ar ziem­lich nahe.

Das Nordkap und das Ende der Welt

Noch am sel­ben Tag erre­icht­en wir die Nord­kap-Insel Magerøya und die “nördlich­ste Stadt der Welt”, Hon­ningsvåg und damit Natasha, die diesen Som­mer als Nord­kap-Guide arbeit­et und ja schon von eini­gen ihrer Erleb­nisse hier auf dem Blog berichtet hat. Sie beherbergte uns für die näch­sten vier Nächte. Gle­ich am näch­sten Tag wan­derten wir zu dritt zum wirk­lich echt­en nördlich­sten Punkt Europas, dem Knivskjel­lod­den, laut Reise­führer “das Ende der Welt”. Es war eine stein- und ren­tier­re­iche Wan­derung, die ins­ge­samt 18 km lang war. Angekom­men am nördlich­sten Punkt Europas, kon­nten wir uns dort in ein Buch ein­tra­gen (wir waren da!), pick­nick­ten und genossen die Tat­sache, dass weit­er nördlich außer Spitzber­gen eigentlich nichts mehr kam. Hier endete also der europäis­che Kon­ti­nent. Schluss, Punkt, weit­er ging nicht, ein her­rlich­es Gefühl. Der Rück­weg war dann ob der Länge doch etwas stra­paz­iös, der Anblick von Ren­tieren in der Abend­sonne entschädigte uns aber auf den let­zten Metern. Der näch­ste Tag war der Stadt Hon­ningsvåg gewid­met, wo Roland und ich uns herumtrieben, während Natasha arbeit­ete. Die Deutschen hat­ten die Stadt am Ende des Zweit­en Weltkriegs völ­lig niederge­bran­nt, nur die Kirche war ste­hen geblieben.

Am drit­ten Tag auf der Magerøya ging’s dann auch wirk­lich zum Nord­kap, wir schlossen uns ein­er geführten Tour von Natashas Kol­le­gen an, in einem Bus voller deutsch­er Hur­tigrouten-Touris­ten.Bild der Woche Tasche Nordkap Auf dem Weg hiel­ten wir bei den Sami Nils und Anna, die für die Touris­ten ein typ­is­ches Samen­zelt aufgestellt hat­ten und einen Verkauf von Sami-Sou­ve­nieren besaßen. Nils war zudem der meist­fo­tografierte Same über­haupt, man find­et ihn auch auf Wikipedia. Am Nord­kap besucht­en wir zunächst die Nord­kap-Halle, wo die Geschichte des Nord­kaps dargestellt war sowie das Thai-Muse­um, das an den Nord­kap-Besuch von König Chu­la­longko­rn von Siam im Jahr 1907 erin­nert. Außer­dem sahen wir uns einen wun­der­baren Film zu den Jahreszeit­en am Nord­kap an (hier der deutsche Trail­er).

Dann gin­gen wir zum typ­is­chen Touris­musziel, dem Globus, und genossen von dort noch ein­mal den Blick aufs Meer, auch den Knivskjel­lod­den kon­nten wir sehen. Wun­der­bar.

Teil1: Von Berlin nach Trond­heim

Teil3: Vom Nord­kap zurück nach Berlin

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