Sonnenfinsternis 2015 — Teil 2

von Nataša Čeretková und Ste­fanie Mnich

Sonnenfinsternis

Solar eclipse 1999 4“ von Luc Via­tour. Lizen­ziert unter CC BY-SA 3.0 über Wiki­me­dia Com­mons

Die Nordeu­ropäer sind von Seit­en der Natur und des Him­mels Einiges gewöh­nt — die Nordlichter gehören zu den Him­mel­sphänome­nen, um die die Islän­der, Färöer und Ein­wohn­er von Spitzber­gen von vie­len “Südlän­dern” benei­det wer­den. Doch die Son­nen­fin­ster­n­is gilt auch dort als ein seltenes und beson­deres Ereigniss, das mit mys­tis­chen und bizarren Geschicht­en umwoben ist. Hier einige davon:

Donnerstag — Nur noch ein Tag bis zur Sonnenfinsternis!
Reykjavik

Alles ist ruhig. Noch hat sich nie­mand an den besten Plätzen posi­tion­iert. Noch star­rt nie­mand in den Him­mel und auch der Verkehr verkehrt wie gewöhn­lich. Die isländis­chen Hei­den bere­it­en unter­dessen ein Fest vor, um ihren neuen Tem­pel während der Son­nen­fin­ster­n­is einzuwei­hen. Es begin­nt genau um 8.38 Uhr, wenn der Mond begin­nt sich vor die Sonne zu schieben. Der Tem­pel wird seit 1000 Jahren der erste hei­d­nis­che Tem­pel in Europa sein.

Die let­zte totale Son­nen­fin­ster­n­is haben die Islän­der übri­gens am 30. Juni 1954 erlebt. Sie dauerte eine Minute! Damals wur­den auf der Insel hochwichtige Fra­gen  disku­tiert: “Wie wirkt sich die Son­nen­fin­ster­n­is auf Schafe aus?” oder “Hören die Vögel während der fin­steren Minute auf zu fliegen?” Ein Jour­nal­ist ging diesen bedeu­ten­den Fra­gen nach, set­zte sich in eine Bucht mit guter Sicht auf Schafe und Vögel und kam let­z­tendlich zu dem Schluss, dass wed­er die Vögel sich für die Son­nen­fin­ster­n­is inter­essierten, noch die “Schafe diesem Wun­der der Natur Beach­tung zu schenken schienen.” Eine Minute Dunkel­heit am Tag macht halt nur Men­schen ver­rückt.

Eine Lösung für die fehlen­den, da ausverkauften, Spezial­brillen hat­te heute Ran­ga Yogesh­war parat: “Ein­fach das Handy nehmen. Smart­phone-Besitzer kön­nen sich mit dem Rück­en Rich­tung Sonne stellen, die Front-Kam­era anschal­ten und sich die Son­nen­fin­ster­n­is ganz ohne Risiko für die Augen auf dem Handy anse­hen — sog­ar mit der Option, näher her­anzu­zoomen.”

Das Wet­ter hat es sich unter­dessen zumin­d­est teil­weise anders über­legt und in eini­gen Teilen Islands kön­nte dur­chaus die Sonne auch zu sehen sein bzw. für eine Minute nicht.

sonnensnfinsternis2

Longyearbyen

Auf Spitzber­gen sind die Namen der ersten Opfer des Ereigniss­es bekan­nt. Eine Gruppe von sechs Son­nen­fin­stern­is­touris­ten hat auf der Suche nach der besten Aus­sicht am Mittwoch ihre Zelte unter freiem Him­mel in der Nähe des Ortes Fred­heim aufgeschla­gen. Heute mor­gen wurde ein­er von ihnen — der Tscheche Jakub M. in seinem Zelt von einem Eis­bären geweckt. Jakub ist leicht ver­let­zt, der Eis­bär wurde erschossen. Nor­wegis­che Zeitun­gen bericht­en von ein­er all­ge­mein gel­tenden Eis­bärenge­fahr auf Spitzber­gen, Tem­per­a­turen von bis zu ‑20 Grad Cel­sius und Besuch­ern, die immer noch keine Unterkun­ft gebucht haben. Einige bezahlen wiederum mehr als 100€ pro Nacht, um auf  ein­fachen Matratzen auf dem Boden schlafen zu dür­fen. Das Warten ist also mehr als span­nend!

Dabei ist es nicht so lange her, dass Spitzber­gen seine totale Son­nen­fin­ster­n­is erlebt hat. Da diese aber am 1. August 2008 nur von Teilen der unbe­wohn­ten Insel Kvitøya sicht­bar war, wurde sie nicht von so vie­len ver­fol­gt, wie die Son­nen­fin­ster­n­is in Süd­nor­we­gen am 30. Juni 1954. In einem kurzen zeit­genös­sis­chen Doku­men­tarfilm wird diese als ein mys­tis­ches Natur­ereig­nis Wetter_Norwegendargestellt: “Der Mond­schat­ten fällt auf die Erde während der West­wind bläst. Mit­ten am hellen Som­mertag ist es nacht­dunkel gewor­den. Die Blu­men schließen ihre Blüten, (…) die Vögel hören auf zu sin­gen, das Meer wird dunkel, die Wolken schwarz, (…) ein Schaus­piel, das viel zu kurz dauert. Und gle­ich wird der Tag wieder hell, wenn die ersten Son­nen­strahlen her­vor­brechen.” (freie Über­set­zung)

Die Wet­ter­aus­sicht­en bleiben weit­er­hin vielver­sprechend. Zumin­d­est meint das der nor­wegis­che Wet­ter­di­enst auf seinem Twit­ter­ac­count. Besorgt ist er voralem darum, dass man vor lauter Begeis­terung vergessen wird, die spezielle Brille aufzuset­zen.

Tórshavn

Die Färöer Inseln scheinen in Ruhe und gut vor­bere­it­et auf den Fre­itagvor­mit­tag zu warten. Als der Count­down auf der “Eclipse-Seite” heute Nach­mit­tag 16 Stun­den, 54 Minuten und 13 Sekun­den zeigte,  waren die Straßen auf den Web­cams men­schen­leer und die aktuell­ste Wet­ter­vorher­sage stammte von Mittwoch. Das lange Warten kann man sich beim Lesen der Artikel zum The­ma Son­nen­fin­ster­n­is aus ver­schiede­nen Medi­en verkürzenCountdown_Färöer

Eine alte färöis­che Leg­ende erzählt die Geschichte von zwei Brüdern aus dem Dorf Sum­ba, das am südlich­sten Punkt der Inseln liegt. Die Brüder waren tapfer und stark, haben aber immer gestrit­ten und miteinan­der gekämpft, manch­mal haben sie sog­ar einan­der mit dem Tod gedro­ht. Eines Tages, als sie in den Bergen ihre Schafe hüteten, wur­den sie plöt­zlich von der Dunkel­heit über­rascht. Im großen Erschreck­en haben sie dem Gott geschworen, sich zu ändern und zu guten Män­nern zu wer­den, wenn er sie das Ereigniss über­leben lässt. Kurz danach ging die Sonne wieder auf und die Leg­ende sagt, dass sich die Brüder umarmt haben und bis zum Ende ihrer Leben nicht mehr gestrit­ten haben. Die Leg­ende soll eine vage Erzäh­lung von der total­en Son­nen­fin­ster­n­is  am 30. Mai 1612 sein.

Hier geht es zum Teil 1 der Serie zur Son­nen­fin­ster­n­is 2015

Ein paar Infos

Die Visu­al­isierung unten zeigt, wo und wann die Son­nen­fin­ster­n­is am Fre­itag Vor­mit­tag zu beobacht­en sein wird. Die totale Son­nen­fin­ster­n­is — hier durch den schwarzen Punkt dargestellt — wird man aber nur von den Spitzber­gen und den Färöer Inseln aus bewun­dern kön­nen. Während der voll­ständi­gen Son­nen­fin­ster­n­is verdeckt der Mond die ganze Sonne, was zum Einen eine mys­tisch dun­kle Stim­mung schafft, zum Anderen das Beobacht­en der sog. Son­nenko­rona möglich macht.

SE2015Mar20T

By A. T. Sin­clair [Pub­lic domain], via Wiki­me­dia Com­mons

1 Kommentare

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