Albumreview: Meliora von Ghost

Ghost tritt in Utrecht auf, Juni 2013. Foto: Enric Martinez licensed under the Creative Commons Attribution 2.0 Generic

von Roland Dathe

Als die schwedis­che Okkult-Band Ghost im Jahr 2010 ihr Debü­tal­bum “Opus Epony­mous” her­aus­bracht­en, sorgten sie vor allem in der Met­al­szene ordentlich für Furore. Und das, obwohl sie eigentlich gar keine wirk­lich harte Musik machen, son­dern ziem­lich melodis­chen Rock. Einen maßge­blichen Teil trägt dazu ihre einzi­gar­tige Insze­nierung bei.
Die Band tritt als eine Ver­samm­lung untot­er Geistlich­er auf, der als “Papa Emer­i­tus III.”* (emiritert­er Papst) auftre­tende Sänger stellt dabei das klerikale Ober­haupt der anson­sten nur als “namen­lose Ghule” bekan­nten restlichen Band­mit­glieder dar.
Im August 2015 bracht­en Ghost mit “Melio­ra” nun ihr drittes Stu­dioal­bum her­aus. Weit­er­hin ist die Musik der Schwe­den aus Linköping alles andere als typ­is­ch­er Met­al und find­et klan­glich auch viele andere Anhänger. Ghost sind eine dieser Bands, deren Lieder so richtig erst beim wieder­holten Male zün­den und auch “Melio­ra” macht hier keine Aus­nahme; ohne Zweifel eine Scheibe, der man immer mal wieder eine Umdrehung gön­nen sollte.

Album­cov­er Melio­ra

Warum aber wird diese Band von so vie­len Met­allern gehört und sollte euch das abschreck­en? Dazu gibt es mehrere Antworten: Erstens wird das okkulte Ambi­ente der Band großar­tig insze­niert und durch chorale Hin­ter­grundgesänge und entsprechend satanis­che Texte (allerd­ings bei weit­em nicht mehr so offen­sichtlich wie noch im ersten Album) bestens unter­malt, zweit­ens sind Ghost auch ein­fach gut. Und damit kom­men wir zur zweit­en Frage mit der ein­deuti­gen Empfehlung, euch vom unge­wohn­ten Ausse­hen nicht abschreck­en zu lassen und den armen Ghulen eine Chance zu geben. Denn natür­lich sind da die okkul­ten Klänge, ander­er­seits klin­gen Ghost nicht aggres­siv. Es gibt kein Grölen, das ja vie­len Szene­frem­den oft so neg­a­tiv auf­stößt, son­dern eine angenehme, zurück­hal­tende und — ja, man muss es passender­weise sagen — dur­chaus etwas predi­gende Stimme. Nur, dass dieser Predi­ger halt ein Untot­er ist, aber hey — Untote sind auch nur Men­schen.
Die Key­boards bieten eher psy­che­delis­che Töne, die Gitar­ren sind tief und verbinden alles zwis­chen frühem 70er Rock, Doom Met­al und Ston­er Rock, anson­sten klin­gen die Schwe­den dur­chaus auch pop­pig. Den­noch bieten sie kom­plexe Lieder, die nicht immer einem gängi­gen Stro­phe-Refrain-The­ma fol­gen, son­dern sich immer­fort entwick­eln. Auch hier gilt: Erst bei mehrma­ligem Hören ent­fal­ten die Werke ihre ganze Kom­plex­ität und Raf­fi­nesse.
Einzelne Songs her­auszuheben fällt schw­er und bietet sich auch nur bed­ingt an: Zum einen gibt es da den, zwar erst seit drei Alben vorhan­de­nen, aber den­noch zweifel­sohne beste­hen­den, typ­is­chen Ghost-Sound, den man bei jedem Lied sofort zuweisen kann. Ander­er­seits möcht­en die Werke samt ihrer aus­führlichen In- und Out­ros als Gesamtes betra­chtet wer­den, keineswegs bietet die Band nur eine wahl­los aneinan­der gerei­hte Ver­ket­tung von Songs. In diesem Sinne führen Ghost kon­se­quent und in ihrem typ­is­chen Stil fort, wom­it sie ange­fan­gen haben. “Melio­ra” bietet nichts grundle­gend Neues, aber es ist defin­i­tiv ein weit­eres gutes Album von Ghost.
In Schwe­den ist übri­gens “Melio­ra” nach Veröf­fentlichung direkt auf Platz 1 der Charts gek­let­tert.

*Zwar ken­nt man nicht offiziell die echt­en Namen der Sänger, aber es gab am Mikro­fon bere­its den zweit­en Wech­sel. Somit liest bere­its der dritte Papa Emer­i­tus die Messe.

Hier schon­mal ein Lied vom neuen Album:

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