Die Ehe für alle — die nordischen Länder im Überblick

In den USA gibt es sie, in Irland gibt es sie — und bald auch in Deutsch­land. Der deut­sche Bun­des­tag hat heu­te den „Ent­wurf eines Geset­zes zur Ein­füh­rung des Rechts auf Ehe­schlie­ßung für Per­so­nen glei­chen Geschlechts“ ange­nom­men, das heißt, gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re kön­nen auch hier bald hei­ra­ten. Wir haben uns noch­mal ange­se­hen, wie es in den nor­di­schen Län­dern, die in Sachen Gleich­be­rech­ti­gung stets eine Vor­rei­ter­rol­le ein­neh­men, mit der Ehe für alle aussieht.

🇩🇰 Dänemark

Däne­mark hat­te bereits 1989, als ers­tes Land über­haupt, die stan­des­amt­li­che Ver­bin­dung gleich­ge­schlecht­li­cher Paa­re („regis­trier­te Part­ner­schaf­ten“) zuge­las­sen. Mit­te 2012 stimm­te das Par­la­ment dann mit einer kla­ren Mehr­heit für ein Gesetz, das die Ehe für gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re öff­net und auch kirch­li­che Trau­un­gen legalisiert.

Das gilt auch für die Färö­er Inseln und Grön­land. Als letz­tes der nor­di­schen Län­der haben die Färö­er die Ehe für alle im letz­ten Jahr ange­nom­men. Seit Juni 2017 ist es in Kraft. Grön­land woll­te die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe eigent­lich im Okto­ber 2015 ein­füh­ren. Auf­grund der vor­ge­zo­ge­nen Wah­len wur­de dar­aus nichts, aber im April 2016 ver­kün­de­te die Minis­te­rin für Bil­dung, Kul­tur, For­schung und Kir­che, Nivi Olsen dann: „Lan­ge haben wir alle auf die­sen Tag gewar­tet. Für vie­le Paa­re bedeu­tet es sehr viel, die Mög­lich­keit zu haben, den Bund der Ehe zu schlie­ßen, völ­lig unab­hän­gig vom Geschlecht oder der sexu­el­len Ori­en­tie­rung der Ehe­leu­te. Die Regie­rung und ihre Beam­ten hei­ßen die neu­en Mög­lich­kei­ten auf das Herz­lichs­te will­kom­men und auch unse­re Kir­che freut sich über den Auf­bruch in die­se neue Zeit.“

🇫🇮 Finnland

Seit dem ers­ten März die­ses Jah­res gibt es in Finn­land die Ehe für alle. Bereits im Novem­ber 2014 hat das fin­ni­sche Par­la­ment ein Gesetz für eine geschlechts­neu­tra­le Ehe ver­ab­schie­det. Da noch vie­le ande­re, damit in Ver­bin­dung ste­hen­de, Geset­ze geän­dert wer­den muss­ten und Geg­ner ver­sucht haben das Gesetz zu ver­hin­dern, nahm das Par­la­ment es aber erst die­ses Jahr an.

🇮🇸 Island

In Island sind gleich­ge­schlecht­li­che Ehen seit Juni 2010 mög­lich, damit war es das welt­weit neun­te Land, das gleich­ge­schlecht­li­che Ehen lega­li­sier­te. Zudem hat­te das Land die ers­te offen les­bi­sche Minis­ter­prä­si­den­tin über­haupt, Jóhan­na Sigurðar­dót­tir. Sie ließ ihre ein­ge­tra­ge­ne Part­ner­schaft noch am Tag, als das Gesetz in Kraft trat, in eine Ehe umwandeln.

Außer­dem ist Island, laut dem Gay Hap­pi­ness Index 2015, das Land, in dem Schwu­le am glück­lichs­ten sind.

🇳🇴 Norwegen

Nor­we­gen hat 2009 als ers­tes skan­di­na­vi­sches Land die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe lega­li­siert. Die Nor­we­gi­sche Kir­che hat­te sich aller­dings lan­ge gegen eine gleich­ge­schlecht­li­che Trau­ung in der Kir­che aus­ge­spro­chen. Im letz­ten Jahr hat sich auch das geän­dert und seit 2017 kön­nen sich gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re auch in Kir­chen trau­en las­sen, für die Pas­to­ren ist das aller­dings eine Gewis­sens­ent­schei­dung und vie­le wol­len es nicht. Im Gay Hap­pi­ness Index 2015 steht Nor­we­gen außer­dem an zwei­ter Stelle.

🇸🇪 Schweden

In Schwe­den trat das Gesetz zur gleich­ge­schlecht­li­chen Ehe im Mai 2009 in Kraft. Und auch die Schwe­di­sche Kir­che ermög­licht eine juris­tisch ver­bind­li­che Hoch­zeit in der Kirche.

Mit Eva Brun­ne, der Bischö­fin von Stock­holm, hat die Schwe­di­sche Kir­che auch die ers­te offen les­bi­sche Bischö­fin. Sie lebt in einer ein­ge­tra­ge­nen Lebenspartnerschaft.

Zudem fin­det in Stock­holm das größ­te Pri­de-Fes­ti­val im Nor­den statt, das Stock­holm Pri­de. Die­ses Jahr fin­det es vom 31. Juli bis zum 6. August statt. Schwe­den führt außer­dem, zusam­men mit Groß­bri­tan­ni­en, den Gay Tra­vel Index an.

Gay travel index

Quel­le: http://www.spartacusworld.com/gaytravelindex.pdf

Für den Index hat der Ber­li­ner Bru­no-Gmün­der-Ver­lag mehr als 190 Län­der welt­weit in 14 Kate­go­ri­en unter­sucht. Kri­te­ri­en sind unter ande­rem Anti­di­krim­mi­nie­rungs­ge­set­ze, die Mög­lich­keit zu hei­ra­ten, Ein­rei­se­be­schrän­kun­gen für HIV-posi­ti­ve Tou­ris­ten oder reli­giö­se Ein­flüs­se sowie die Mord­ra­te an Homo­se­xu­el­len. Island, Finn­land und Däne­mark bele­gen den drit­ten Platz, Nor­we­gen liegt auf Rang 12.

Im europäischen Vergleich

🏳️‍🌈 Schwe­den und Nor­we­gen waren die ers­ten nor­di­schen Län­der, die die Ehe für alle geöff­net haben. Inzwi­schen kön­nen gleich­ge­schlecht­li­che Paa­re in allen nor­di­schen Län­dern hei­ra­ten. In eini­gen erst seit die­sem Jahr. Im euro­päi­schen Ver­gleich sind aber auch Schwe­den und Nor­we­gen nicht die ers­ten gewe­sen, die die gleich­ge­schlecht­li­che Ehe ein­ge­führt haben, wie die Gra­fik von der Tages­schau zeigt. Aber bes­ser spät, als nie!

 

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