The Hills” von Matias Faldbakken

von Mar­ti­na Sander

Ein „Hochsen­si­bler“ ist er, deswe­gen sind ihm laute Men­schen, grell­bunte Far­ben und unvorherse­hbare Sit­u­a­tio­nen ein Gräuel. Zum Glück arbeit­et der Kell­ner im Oslo­er Restau­rant „The Hills“, das wie seine Gäste still, gediegen und sehr tra­di­tionell ist; die anges­taubte Atmo­sphäre und der gute Ton machen den Reiz aus. Chefin, Koch, Bar­frau: Die Hier­ar­chien sind klar verteilt, alle ken­nen ihre Rolle. Seit Jahren gibt es strik­te Rou­ti­nen, ein­studierte Umgangs­for­men. Als eine junge, sehr attrak­tive „Kind­frau“ in den Mikrokos­mos ein­dringt, löst das eine Krise aus. Nicht nur die Sinne der Kell­ner, auch die der Stam­mgäste wer­den durcheinan­der gewirbelt, das Gle­ichgewicht gerät ins Wanken.

Das Mul­ti­tal­ent Matias Fald­bakken ist ein­er der bedeu­tend­sten Gegen­wart­skün­stler Skan­di­naviens und durch seine „Skan­di­navis­che Misanthropie“-Trilogie auch als mod­ern­er Schrift­steller und Dra­matik­er bekan­nt. Zehn Jahre nach „Unfun“ zeigt sich der Nor­weger von ein­er weniger der­ben Seite, aber stil­sich­er und elo­quent wie immer. Ein altge­di­en­ter Kell­ner räsoniert und reflek­tiert in einem 240 Seit­en lan­gen Monolog über seine kleine Welt, wehmütig, nos­tal­gisch, oft unter­halt­sam. Allerd­ings ver­liert hier eine Per­son seine Gewis­sheit, seine Sicher­heit, und so schwingt beim Lesen auch ein Unbe­ha­gen mit, das sich überträgt.

Info
The Hills
Aus dem Nor­wegis­chen von Max­i­m­il­ian Stadler
Orig­inalti­tel: The Hills
Ran­dom House, 240 Seit­en

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