Der Weihnachtskarpfen“ von Rita Törnqvist-Verschuur

von Mar­ti­na San­der

Der klei­ne Tho­mas ver­bringt in die­sem Jahr Weih­nach­ten bei sei­nem Groß­va­ter in Prag. Der ist seit kur­zem Wit­wer und immer noch trau­rig, gemein­sam mit dem Enkel soll das Fest viel fröh­li­cher wer­den. Die Vor­be­rei­tun­gen neh­men viel Raum ein und so tei­len sich Tho­mas und der Groß­va­ter die Ein­käu­fe auf. Der Groß­va­ter schleppt den gro­ßen Weih­nachts­baum und Tho­mas küm­mert sich ganz allein um den Kauf des tra­di­tio­nel­len Karp­fens. Schreckstarr schaut Tho­mas auf die blu­ti­gen Mes­ser am Markt­stand. Er trägt sei­nen Karp­fen lie­ber leben­dig in der Plas­tik­tü­te nach Hau­se, lässt ihn zwi­schen­durch wäs­sern, schützt ihn vor wil­den Tie­ren, füt­tert ihn lie­be­voll mit Brot. Am Ende eines gefahr­vol­len Trans­ports glei­tet der Karp­fen ruhig in die rand­vol­le Bade­wan­ne, nicht ahnend, dass er Teil eines Menüs wer­den soll.

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Aus Getrei­de ist der dies­jäh­ri­ge Fest­schmaus, da liegt der Ver­lag Urach­haus durch­aus im Trend und legt eine bekann­te Geschich­te neu auf. Natür­lich weiß man, dass der Karp­fen leben wird, Trut­häh­ne bekom­men sogar in den USA eine zwei­te Chan­ce und die Weih­nachts­gans Augus­te wur­de ja gelieb­ter Teil der Fami­lie. Im „Weih­nachts­karp­fen“ von Rita Törn­qvist-Ver­schuur wird aber nicht der Fisch Pep­po begna­digt, um dem klei­nen Tho­mas eine Freu­de zu machen. Hier ist der Groß­va­ter der Initia­tor der Ret­tungs­ak­ti­on, ganz selbst­ver­ständ­lich wird für das Tier ent­schie­den und gegen eine Tötung, nur für ein kur­zes Fest­essen. Sie ent­las­sen den Karp­fen in die Mol­dau, essen statt­des­sen Plätz­chen in Fisch­form und fin­den, dass sie das schöns­te Weih­nachts­fest von allen fei­ern. Auch die lie­be­vol­len Aqua­rell­zeich­nun­gen von Marit Törn­qvist unter­mau­ern, auf wel­cher Sei­te die Illus­tra­to­rin steht. Zu blu­tig ist das Mes­ser, zu weit auf­ge­ris­sen sind die Mün­der der Fein­de, um nicht das File­tie­ren als bar­ba­risch zu brand­mar­ken. Aber das alles wird nur auf der Erwach­senen­ebe­ne durch­dacht. Die klei­nen Leser/-innen (ab 5 Jah­re) freu­en sich ein­fach an der Geschich­te, den hüb­schen Zeich­nun­gen und dar­an, dass Pep­po nicht geges­sen wird, nicht von der Kat­ze, dem Hund, dem Men­schen.

Der Weih­nachts­karp­fen“ ist eine moder­ne Weih­nachts­ge­schich­te. Wie der Ver­lag sel­ber schreibt, wird „eine alte Welt und eine neue Ein­stel­lung […] stim­mungs­voll leben­dig“ nach­er­zählt und lie­be­voll illus­triert von einem der bekann­tes­ten Mut­ter-Toch­ter-Gespan­ne der Kin­der- und Jugend­li­te­ra­tur.

Info:
Der Weih­nachts­karp­fen
Auto­rin: Rita Törn­qvist-Ver­schuur
Erschei­nungs­jahr: 2016
Alters­stu­fe: ab 5 Jah­ren
Aus dem Schwe­di­schen über­setzt von Ange­li­ka Kutsch
Ver­lag Urach­haus, 32 Sei­ten

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