Teil 3: Roadtrip zum Nordkap

Nun fol­gt der let­zte Abschnitt unser­er Reise. Durch Finn­land fuhren Roland und ich, über Stock­holm, zurück nach Berlin.

(Für die Beschrei­bung zur Funk­tion der Prezi-Präsen­ta­tion oben siehe Teil 1)

Abschied vom Nordkap

Nach­dem wir am Abend zuvor auf der Magerøya noch einen Aus­sichts­berg und den Kamøyfjord besucht hat­ten und es für Natasa und Roland sehr schw­er gewe­sen war, mich wieder aus dem Dorf am Fjord ins Auto zu lock­en (es war ein­fach zu schön, man musste alles fotografieren), ging es nun weit­er nach Finn­land.

Inari

Am Dör­fchen Inari macht­en wir halt und wan­derten auf einem wun­der­schö­nen Weg zur Piel­pa­järvie-Wild­markkirche.IMG_9986  Um sie herum hat­te es einst ein Dorf gegeben, das aber 1876 aufgegeben wurde, als die heutige Gemeinde Inari ent­stand und die Men­schen dor­thin zogen. Die Kirche wird aber von Zeit zu Zeit noch genutzt.

Nach unser­er Wan­derung sahen wir uns das Samen­mu­se­um und Nord­lap­p­landzen­trum SIIDA an. Es bein­hal­tete Ausstel­lun­gen zur Natur in Nord­lap­p­land und zu den Sami und im Außen­gelände kon­nte man viele Vor­ratsspe­ich­er, Wohn­häuser, Ställe und Fall­en der ein­sti­gen Sami-Kul­tur bestaunen. Ein richtig gutes Muse­um.

Weihnachtsdorf

Als näch­stes hiel­ten wir am Wei­h­nachts­dorf, das direkt am Polarkreis errichtet wurde, hier soll der Wei­h­nachts­man wohnen. Den fan­den wir zwar nicht, dafür aber ein reich­lich gruseliges Dorf. Über­all schall­ten einem Wei­h­nacht­slieder ent­ge­gen, es war weitest­ge­hend men­schen­leer und von Sou­venir­shops über­schwemmt. Der dazuge­hörige, in den Fels gesprengte, “San­ta Park” — laut Reise­führer ein riesiger Wei­h­nachts-Freizeit­park — war nicht geöffnet und so fuhren wir weit­er nach Rovanie­mi. Wir sahen uns die Stadt an, die uns sehr syphatisch war. Lei­der war Mon­tag und damit die Museen zu. Ich hätte mir gern das Ark­tikum ange­se­hen, das, laut Reise­führer, “diverse Architek­tur­preise” gewon­nen hat (Iwanowski’s Finn­land).

Kemi, Oulu und zwanzig Fische

Abends kamen wir noch bei bestem Licht an der Ost­see an und bum­melten kurz durch den Hafen von Kemi, ein­er kleinen Stadt, die im Mit­teal­ter auf­grund ihrer Lage bedeu­tend war. IMG_0313 Nun hat­ten wir uns schon 100 km vom Polarkreis ent­fer­nt. Am näch­sten Tag fuhren wir weit­er, an der Ost­see ent­lang. Unser Weg, oder bess­er das Navi, führte uns nach Oulu, in die “mit Abstand größte — und einzige — Großs­tadt des Nor­dens”. Es war ger­ade Markt in der einzi­gen Großs­tadt des Nor­dens und wir stürzten uns ins Getüm­mel. Es gab alles möglich, Klei­dung, Obst, Brot, Würstchen, Fisch…

Schon in Nor­we­gen hat­ten wir, lei­der verge­blich, nach einem kleinen Laden oder einem Stand gesucht, wo wir Fisch kaufen kön­nen. Hier bot sich nun endlich die Möglichkeit und wir entsch­ieden uns dafür, erst­mal einen kleinen Räucher­fisch zu kaufen — zum Pro­bieren. Roland stand also vor dem Verkäufer, deutete auf den Fisch und sagte “one, please”. Ehe wir uns ver­sa­hen hat­te der Verkäufer ein ganzes Kilo Fis­che in eine Tüte gepackt, die Roland dann auch bezahlte, noch völ­lig ver­wirrt von der Tat­sache, dass er ger­ade statt einem Fisch ein ganzes Kilo bekom­men hat­te. Zum Glück schmeck­ten die Makre­len, denn wir hat­ten genug, um davon noch ein paar Tage zu essen.

Noch am Abend sahen wir uns die Uni­ver­sitätsstadt Jyväskylä an. Hier war der finnis­che Architekt Alvar Aal­to aufgewach­sen und hier ste­hen auch mehr Alvar-Aal­to-Gebäude als in irgen­dein­er anderen Stadt. Lei­der war das Alvar-Aal­to-Muse­um schon zu, aber wir sahen uns einige der zahlre­ichen Gebäude an, die er ent­wor­fen hat.

Tampere

IMG_0364Tam­pere war früher eine Indus­tri­es­tadt, ein “finnis­ches Man­ches­ter”. Das ist dem Stadt­bild auch heute noch deut­lich anzuse­hen, aber die Indus­triean­la­gen sind schon lange keine Indus­triean­la­gen mehr. Heute wird in den Fab­rikhallen getanzt, gestal­tet und ver­wal­tet. Kul­turin­sti­tu­tio­nen, Museen, Bars, Läden, eine Schaus­piel­bühne, ein Tanzthe­ater und Behör­den sind in die Hallen gezo­gen, um ihnen nach dem Nieder­gang der hiesi­gen Papierindus­trie neues Leben einzuhauchen.

In der Jugend­stil-Mark­thalle aß ich Piroggen, die sehr leck­er waren. Die ganze Mark­thalle war wun­der­bar. Es wur­den alle möglichen Lebens­mit­tel ange­boten, man kon­nte essen und schauen und riechen und es ist wirk­lich schade, dass solche Mark­thallen in Berlin fast aus­gestor­ben sind. Aber die Finnen scheinen eine aus­geprägte Mark­tkul­tur zu besitzen.

IMG_0394Neben der Innen­stadt sahen wir uns in Tam­pere noch das Amuri-Arbeit­er­mu­se­um an. Es war sozusagen eine alte Arbeit­er­sied­lung. Bei einem Rundgang durch die ver­schiede­nen Zim­mer der Holzhäuser kon­nte man sich mit deren ehe­ma­li­gen Bewohn­ern ver­traut machen, denn das Beglei­theft beschrieb für jedes Zim­mer, (ja jede Fam­i­lie hat­te nur ein Zim­mer — egal wie groß sie war!) wer dort einst wohnte und in welchem Jahr. Jedes Zim­mer war einem anderen Jahr zuge­ord­net es begann Ende des 19. Jahrhun­derts und endete in den sechziger Jahren. So bekam man einen Ein­druck vom Wan­del des Lebens in der Sied­lung, vom teil­weise ras­an­ten Fortschritt und von der Armut der Arbeit­er, beson­ders in Krisen­zeit­en. Ein tolles Muse­um.

Helsinki

Noch am Abend erre­icht­en wir Helsin­ki, check­ten auf dem dor­ti­gen Camp­ing­platz ein (sehr teuer, aber vier Sterne) und fuhren in die Innen­stadt. Dort schaut­en wir uns zuerst am Mark­t­platz und Hafen um, alles sah toll aus und war anges­trahlt. IMG_0446Auch die Domkirche, ein riesiges Bauw­erk, erstrahlte im Schein­wer­fer­licht, wir stiegen die Stufen hin­auf und bum­melten dann noch etwas in der Stadt umher.

Am fol­gen­den Tag kon­nten wir den gesamten Anblick der Innen­stadt noch ein­mal im Hellen genießen. Wir gin­gen in die Domkirche hinein und mussten fest­stellen, dass es drin­nen nicht nur nüchtern evan­ge­lisch aus­sah, son­dern auch wesentlich klein­er war, als man von außen erah­nte. Dann noch ein Abstech­er in den Design-Dis­trict, der vor allem im let­zten Jahr, als Helsin­ki zur “World Design Cap­i­tal” gewählt wurde, im Mit­telpunkt stand.

An der Mark­thalle in der Innen­stadt wurde lei­der ger­ade gebaut, dewe­gen gin­gen wir zur “größten Mark­thalle des Lan­des”, am Platz Hakaniemen­tori, haupt­säch­lich um noch ein paar Piroggen zu kaufen, aber so tolle Piroggen wie in Tam­pere gab es nicht und so groß, wie die größte Mark­thalle des Lan­des, kam mir die Halle auch nicht vor.

Über Nacht nach Stockholm

Danach gings zurück zum Auto und rauf auf die Fähre nach Stock­holm. 17.30 legten wir ab, wir standen an Deck und sahen langsam die Stadt in der ferne ver­schwinden. IMG_0597An Bord hat­ten wir eine Kabine, nur für uns zu zweit inklu­sive Dusche. Außer­dem gab es Restau­rants, Bars, einen Shop und eine Sauna, alles ziem­lich teuer, aber wir hat­ten Pro­viant dabei…

Am näch­sten Mor­gen kauften wir im Shop noch ein paar Mit­bringsel. Dann gings zum Park-Deck, denn inzwis­chen hat­te das Schiff angelegt. Zu unserem Erstaunen stand unser Auto ganz allein da, alle anderen hat­ten die Fähre bere­its ver­lassen. Aber auch wir kon­nten dann von der Fähre fahren und begaben uns noch zu einem Kurzbe­such in die Friedrich-Ebert-Stiftung in Stock­holm, wo ich mal ein Prak­tikum gemacht hat­te und wo wir jet­zt Zimtsch­neck­en aßen. Danach ging es dann Rich­tung Trelle­borg, sechs Stun­den anstren­gen­der Fahrt lagen vor uns.

Von Trelleborg nach Rostock nach Berlin

Zwei Stun­den vor Abfahrt der Fähre (23.30 Uhr) hat­ten wir den Hafen von Trelle­borg erre­icht. Wir waren wirk­lich müde und kaputt und dies­mal hat­ten wir an Bord keine Kabine. So schleppten wir Schlaf­säcke und Iso­mat­ten ins Bor­drestau­rant und legten uns, wie viele andere auch, ein­fach dort schlafen. Das klappte erstaunlich gut und wir erwacht­en um 5.00 Uhr mor­gens, schon fast in Ros­tock. Nach der Ankun­ft noch ein Zwis­chen­stopp bei meinen Eltern (früh­stück­en, Auto tauschen, Mit­tagessen) und dann ab nach Hause. Die let­zten 2,5 Stun­den vergin­gen wie im Flug und dann kon­nten wir auch schon die Tür unser­er Berlin­er Woh­nung öff­nen. Es war eine wun­der­schöne Reise.

Teil1: Von Berlin nach Trond­heim

Teil 2: Road­trip zum Nord­kap  

8 Kommentare

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  2. Ich und ein paar Fre­unde haben das selbe vor!
    Einen Road­trip zum Nord­kap. Allerd­ings von Kas­sel aus. Kön­nten wir uns vielle­icht per E-Mail auseinan­der­set­zen und ihr kön­ntet uns ein paar Ratschläge geben? Würde mich sehr freuen!

    • Besser Nord als nie

      Hal­lo Felix!

      Schreibt uns ein­fach eine E-Mail an besser.nord.als.nie (ät) gmail.com, dann kön­nen wir gern eure Fra­gen beant­worten! Beste Grüße aus Berlin!

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