Klanglandschaften aus Norwegen

Es ist mitt­ler­wei­le kei­ne Über­ra­schung mehr, das es klei­nen Bands erst viel spä­ter gelingt mit ihrer Musik den Sprung über ihre Lan­des­gren­zen hin­aus zu schaf­fen. Den­noch muss es ein eigen­ar­ti­ges Gefühl sein, wenn das eige­ne Werk woan­ders viel spä­ter erscheint und man sich als Künst­ler selbst schon wei­ter­ent­wi­ckelt hat. So oder so ähn­lich könn­te es auch Línt gehen, der jun­gen nor­we­gi­schen Band aus dem beschau­li­chen Ber­gen, die nun mit ihrem Debüt­al­bum „Then They Came For Us“ erst 1,5 Jah­re nach dem erschei­nen in Nor­we­gen eine Art Neu­auf­la­ge in Deutsch­land fei­ert. Doch die 2013 gegrün­de­te sechs­köp­fi­ge Band hat sich wie auch zuvor bei ihrer im glei­chen Jahr ver­öf­fent­lich­ten  EP “LíntEP” dem Noise/Post-Rock, einem eher zeit­lo­sen Gen­re, ver­schrie­ben und lässt somit auch uns Spät­hö­rer ohne Ein­bu­ßen in die­se Musik ein­tau­chen.

Foto: Albumcover "Then they came for us"

Foto: Album­co­ver “Then they came for us”

Kein Getö­se, kein Bom­bast. Der Ope­ner ist bereits Weg­wei­ser für das gan­ze nur acht Titel lan­ge Debüt. Ein Album der lei­sen Töne, das sich Zeit nimmt und Klang­wel­ten erschafft ohne zu sehr in die Effekt­trick­kis­te zu grei­fen. Die Musik ist flüs­ternd, aber auch dyna­misch unter­legt mit rhyth­mi­schen Spie­le­rei­en der Post-Rock Tra­di­ti­on, gespickt mit Ele­men­ten aus Pop, Hip Hop und Trip Hop. Sie schmei­chelt sich ein, mit redu­zier­tem leich­tem Gesang, der sich ohne zu domi­nie­ren und fast neben­säch­lich als Klang­kör­per in die Instru­men­tal­mu­sik ein­fügt und sym­pho­ni­sche und elek­tro­ni­sche Ele­men­te zu einem Gesamt­kon­zept ver­bin­det .

Nicht zu Unrecht wird die Band u.a. durch ihre male­ri­sche Musik und der hohen Gesangs­stim­me mit der islän­di­schen Post-Rock Band Sigur Rós ver­gli­chen, wenn­gleich es letz­te­rer mehr gelingt Auf­merk­sam­keit für ihre Musik vom Hörer ein­zu­for­dern. Línt geht selbst­be­wußt eine Rich­tung ein ohne sich anbie­dern zu wol­len, den­noch hät­te ihrem Debüt etwas mehr Abwechs­lung gut getan. „Then They Came For Us“ wan­dert teil­wei­se nah an der Gren­ze zur Belie­big­keit ent­lang. Das Album öff­net dem Hörer trotz alle­dem eine eige­ne Welt mit sanf­ten musi­ka­li­schen Ges­ten, die als Beglei­ter zu grau­en Herbst­ta­gen wun­der­bar fun­gie­ren. Línt haben sich und ihren Stil gefun­den und nicht nur für Freun­de des Post-Rock ein klei­nes fei­nes Werk geschaf­fen. Es bleibt abzu­war­ten, was in Zukunft noch von ihnen kom­men mag.

Info:

Línt
Album: Then They Came For Us
Lauf­zeit: 8 Titel
Ver­öf­fent­li­chung: 11.11.2016
Label: popup-records 
lint.band
facebook.com/lintmusic/
soundcloud.com/lintmusic

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.