Isländisch Noir: Trapped — Gefangen im Eis

Lilja Jonsdottir / ZDF / RVK Studio

von Mar­ti­na San­der

An einem stür­mi­schen Win­ter­tag legt eine däni­sche Fäh­re im Nord­os­ten Islands an, gleich­zei­tig wird ein mensch­li­cher Tor­so aus dem Meer gebor­gen. Der aus Reyk­ja­vik straf­ver­setz­te Kom­mis­sar Andri zieht den nahe­lie­gen­den Schluss, dass der Mensch auf der Fäh­re getö­tet wor­den sein muss und hält die Pas­sa­gie­re auf der Fäh­re fest. Bei den Befra­gun­gen wird reich­lich Ille­ga­les zuta­ge geför­dert, mit dem das nur mit drei Per­so­nen besetz­te Kom­mis­sa­ri­at über­for­dert sein soll­te. Hil­fe aus der Haupt­stadt wird ange­ord­net. Als ein Schnee­sturm den gan­zen Ort von der Außen­welt abschnei­det, kann der Mör­der nicht ent­kom­men. Hys­te­rie brei­tet sich aus und tat­säch­lich gesche­hen wei­te­re Mor­de. Und die Son­der­kom­mis­si­on aus Reyk­ja­vik kann auch mit Hub­schrau­bern nicht ein­flie­gen…

 „Trap­ped“ ist Nor­dic Noir vom Feins­ten in einem klas­si­schen clo­sed-room-Set­ting. Die düs­te­re Stim­mung, die per­sön­li­chen Tra­gö­di­en, der Bezug zu aktu­el­len poli­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen — die Mini­se­rie ver­ei­nigt vie­le inter­es­san­te Hand­lungs­strän­ge, ohne sich zu ver­lie­ren oder Län­gen zu pro­du­zie­ren. Hier wird der Mikro­kos­mos Sey­dis­fjor­dur sogar zum Bei­spiel für Glo­ba­li­sie­rung und gewinn­ori­en­tier­te Wirt­schafts­in­ter­es­sen. Die Schau­spie­ler sind wun­der­bar uname­ri­ka­nisch, kau­zig und smart und bis in die Neben­rol­len mit Lie­be fürs cha­rak­ter­li­che Detail insze­niert. Wie immer sind die typisch skan­di­na­vi­schen Lebens­um­stän­de Gebot: Schei­dungs­kin­der, Mob­bing, Lee­re und Trau­er. Alle tra­gen ihr tris­tes Päck­chen, ver­fü­gen aber, so scheint es, über reich­lich inne­re Wär­me. (Ólafur Dar­ri Ólafs­son als Andri soll­te mal erklä­ren, wie­so er stän­dig mit offe­ner Jacke gegen den Schnee­sturm anrennt, wäh­rend der Zuschauer/die Zuschaue­rin sogar unter der Couch­de­cke friert). Die Serie ist rund­um span­nend und sehens­wert, ein Heiß­ge­tränk und eine war­me Decke sind aller­dings ange­ra­ten. Aus­ge­dacht und insze­niert wur­de Trap­ped übrin­gens von Bal­ta­sar Kor­mákur, der mit Fil­men wie zuletzt “Ever­est” und “Der Eid” auch schon in Hol­ly­wood tätig war. 

Trap­ped ist gera­de auf DVD und Blu-Ray erschie­nen. Die Box ent­hält ein aus­führ­li­ches Making of, sowie eine deut­sche und islän­di­sche Ton­spur. Die Unter­ti­tel sind aller­dings nur auf Deutsch ver­füg­bar. Momen­tan kann die kom­plet­te Serie auch in der ZDF Media­thek geschaut wer­den.

Info:
Trap­ped — Gefan­gen im Eis” (Ófærð)
Dar­stel­ler: Ólafur Dar­ri Ólafs­son, Ilmur Kris­t­jáns­dót­tir, Nína Dögg Filip­pus­dót­tir
Pro­duk­ti­on: Island, 2016
Spiel­dau­er: 510 Minu­ten
Spra­che: Deutsch (Dol­by Digi­tal 5.1), Islän­disch (Dol­by Digi­tal 5.1)
Spiel­dau­er: 510 Minu­ten

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