Bloggerin Johanna Nilsson erzählt über “Slow Fashion”

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Mode war in unserem Mag­a­zin bish­er abso­lut unter­repräsen­tiert, also war es Zeit, sich mal genauer mit dem The­ma zu beschäfti­gen. Als stil­voll gek­lei­det gel­ten die Skan­di­navier ja nun alle­mal. Seit einiger Zeit habe ich mich per­sön­lich beson­ders für nach­haltige Mode inter­essiert, auch als Fair Fash­ion, Slow Fash­ion, Green Fash­ion, Eth­i­cal Fash­ion bekan­nt.

Die Arbeits­be­din­gun­gen in der Tex­tilin­dus­trie sind beson­ders schlecht und es wird teils sog­ar mit kreb­ser­re­gen­den Chemikalien gear­beit­et. Nach­haltige Mod­e­la­bels set­zen daher gezielt auf Rohstoffe aus fairem Han­del, soziale Min­dest­stan­dards, umwelt­fre­undliche Mate­ri­alien  und trans­par­ente Arbeits­ket­ten. Güte­siegel sollen außer­dem bei der Unter­schei­dung helfen, da gibt es aber alleine in Europa über 120 ver­schiedene mit unter­schiedlich­er Gewich­tung. Einen Überblick gibt siegelklarheit.de, die alle auflis­ten und erk­lären. Ver­trauenswürdig sind in jedem Fall schon mal die Siegel GOTS, Fair Wear Foun­da­tion, blue­sign und Fair­trade Cer­ti­fied Cot­ton.

Doch was ist eigentlich nach­haltige und faire Mode? Und wie und wo kön­nen wir Slow Fash­ion bekom­men? Um diese Fra­gen zu beant­worten, habe ich mit Johan­na Nils­son gesprochen. Johan­na blog­gt auf SLOW FASHION by Johan­na N über nach­haltige Mode und hat ger­ade ihr Buch “Slow fash­ion: din guide till smart och håll­bart mode” in Schwe­den her­aus­ge­bracht. Außer­dem betreibt sie die kleine Butik Rep­lik in Stock­holm, in der es aus­nahm­s­los faire Mode zu kaufen gibt, und ste­ht hin­ter dem Schmuck­la­bel Johan­naN.

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Hej Johan­na! Du schreib­st über Slow Fash­ion und betreib­st einen Laden mit nach­haltig pro­duziert­er Mode. Was sind deine Beweg­gründe, dass du begonnen hast, dich mit dem The­ma zu beschäfti­gen?
Seit meinem 16. Leben­s­jahr inter­essiere ich mich für das The­ma, u.a. durch die Clean Clothes Cam­paign. Das macht jet­zt unge­fähr 50% meines bish­eri­gen Lebens aus. Nach­haltigkeit und Fair­trade mit Fokus auf Mode waren also schon lange mein Hob­by. Und jet­zt ist es meine Arbeit, das ist toll.

Warum hast du dich jet­zt entsch­ieden ein Buch über Slow Fash­ion zu schreiben?
Ich habe das Buch mit ein­er Fre­undin zusam­men geschrieben. Wir haben uns vor unge­fähr zwei Jahren ken­nen gel­ernt und dann hat sie mich irgend­wann gefragt, ob ich nicht ein Buch schreiben will. Das war tat­säch­lich schon immer mein größter Traum, aber ich wollte es nicht alleine machen. Und genau­so ging es ihr. Also haben wir zusam­men das Buch geschrieben, von dem wir überzeugt sind, dass es defin­i­tiv noch fehlt.

Was kön­nen wir denn von dem Buch erwarten? An wen richtet es sich?
Wir hof­fen, dass jed­er das Buch inter­es­sant find­et. Leser, die mit Slow Fash­ion noch nicht so ver­traut sind, sowie Leute, die das The­ma bere­its super span­nend find­en. Wir ver­suchen mit dem Buch zu inspiri­eren. Wir erk­lären natür­lich die Basics und führen die Prob­leme der Mod­ein­dus­trie auf, nen­nen aber auch unbekan­nte Fak­ten und erk­lären wie man step-by-step nach­haltig han­deln kann. Das Buch soll nicht zu sim­pel, aber auch nicht zu kom­pliziert sein. Es ist ein Mode-Man­i­fest und gle­ichzeit­ig eine Gebrauch­san­weisung.

Wie definiert ihr Slow Fash­ion?
Slow Fash­ion ist wenn Qual­ität über Quan­tität geht. Wenn wir weniger und bessere Klei­dungstücke pri­or­isieren und wenn nach­haltige Pro­duk­tion und min­i­male neg­a­tive Auswirkung auf die Umwelt wichtig sind. Slow Fash­ion ist also ein Begriff und eine Ein­stel­lung bei der Nach­haltigkeit im Fokus ste­ht. To slow down and have thoughts about your deci­sions.

Wie erken­nen wir Slow Fash­ion?
Slow Fahion ist das Gegen­teil zu Fast Fash­ion, die man in allen Shop­ping Cen­tern find­et.
Slow Fash­ion Brands arbeit­en trans­par­ent und es gibt Infor­ma­tio­nen über Mate­ri­alien und Pro­duk­tion und die Pro­duk­tions­kette kann genau ver­fol­gt wer­den. Viele Fir­men ste­hen auch außer­halb des nor­malen Mod­ezirkels. Sie geben nicht vier-, fünf­mal im Jahr oder gar wöchentlich eine neue Kollek­tion her­aus. Diese Stücke wer­den schnell unmod­ern, dann reduziert und das Klei­dungsstück ver­liert seinen Wert. Slow Fash­ion funk­tion­iert genau anders herum. Die Klei­dung soll zeit­los und somit nach­haltig sein.

Ist das Weniger-ist-mehr-Prinzip etwas, wom­it die Slow Fash­ion let­z­tendlich zu kämpfen hat?
Ich denke, dass es eine große Her­aus­forderung für Slow Fash­ion ist und dass man wahrschein­lich ein anderes Busi­ness-Mod­ell anstreben muss. Man kann schließlich nicht viel Geld damit ver­di­enen, dass man wenig Klei­dung verkauft. Also muss man andere Wege find­en und weniger auf Pro­duk­te, son­dern auf Dien­stleitun­gen fokussieren. Man kön­nte also Nähar­beit­en und Redesign der Klei­dungsstücke sowie Klei­dung zum Lei­hen anbi­eten.

Denkst du, Slow Fash­ion wird in den näch­sten Jahren an Bedeu­tung gewin­nen?
Hm, das ist eine knif­flige Frage. Ich denke schon, dass große Unternehmen anfan­gen sich mit Slow Fash­ion zu beschäfti­gen, weil sie sehen, dass es für ihre Marken­bil­dung wichtig ist. Bei den meis­ten han­delt es sich wahrschein­lich aber nur um Green­wash­ing. Dann gibt es im Gegen­satz dazu die Fir­men, die sich wirk­lich für Nach­haltigkeit und Trans­parenz ein­set­zten, die aber immer noch in der Min­der­heit sind. Im All­ge­meinen denke ich aber schon, dass sich mehr und mehr Leute für Slow Fash­ion inter­essieren.

Wie kön­nen wir die Slow Fash­ion unter­stützen?
Erst­mal braucht man nicht viel Geld, um nach­haltige Mode zu erste­hen. Slow Fash­ion bekommt man auf ganz unter­schiedliche Wege. Durch Klei­der­tausch mit Fre­un­den zum Beispiel, sec­ond­hand oder durch Lei­hen. Außer­dem kann man seine Klei­dung pfle­gen und repari­eren, um so nach­haltiger zu han­deln. Man muss seinen eige­nen Weg find­en, wie man Slow Fash­ion in seine Lebens­ge­wohn­heit­en ein­fließen lässt. Ich sel­ber zum Beispiel habe eine Fast Fash­ion Ver­hal­tensweise. Ich liebe es, meinen Klei­der­schrank regelmäßig aufzufrischen, und habe gerne neue Klei­dungsstücke. Also kaufe und verkaufe ich sec­ond­hand und tausche meine Klei­dung mit Fre­un­den. Das ist dann auch noch gün­stig oder ganz umson­st.

 Johanna Nilsson

Johan­na Nils­son

Und wo kön­nten wir nach­haltige Mode kaufen?
Es gibt natür­lich auch viele Lables, die nach­haltige Klei­dung verkaufen. Man muss sich nur umfassender informieren und mehr Zeit investieren, um sie zu find­en, als wenn man ein­fach in die näch­ste Mall geht. Es gibt sehr viel, aber nicht auf den ersten Blick. Auf meinem Blog gebe ich zum Beispiel Tipps zu Marken und Geschäften. In meinem Laden ver­suche ich außer­dem nach­haltige Marken zu sam­meln und hoffe, dass Leute sich davon inspiri­ert fühlen, nach­haltig zu kaufen.

Vie­len Dank!

Johan­nas Blog: slowfashion.nu
Johan­nas Shop Rep­likbutikreplik.se
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Johan­na auf Bloglovin’: bloglovin.comJohannaN

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